Selbstwert heilen

Nein zu sagen, kann ein Akt radikaler Selbstliebe sein!

Für viele Jahre hatte ich ein sehr einseitiges Bild von Liebe. Ich habe das Gefühl gehabt, ein „schlechter“ Mensch zu sein, wenn ich nicht immer zu allem und jedem “Ja” sage. Vielleicht auch gerade, weil ich ein typischer Fische-Geborener bin, der die Welt am liebsten mit Liebe überschütten würde. Dies hat dazu geführt, dass ich immer einen Mangel an Selbstliebe und Selbstwert in mir trug. Welchen mir meine Außenwelt stetig widerspiegelte, indem meine Talente nicht so wertgeschätzt wurden, wie ich es mir wünschte.

Ich wusste einfach nicht, wie ich zu mir stehen kann, wie ich Bedürfnisse anmelden kann oder auch mal schlicht “Nein” sagen kann, wenn etwas über meine Grenzen hinaus ging. Ich habe mich immer so, so schlecht gefühlt, also sagte ich lieber Ja obwohl ich eigentlich Nein meinte. Die Menschen, denen mein halbherziges Ja galt, merkten das natürlich und begegneten mir mit Ablehnung. “Auf dich kann man sich nicht verlassen!” oder “Ich habe mir mehr erwartet!”. Toll, das war natürlich nicht sehr hilfreich für meinen Selbstwert!

Die Kraft deines "Ja´s" hängt von der Stärke deines "Neins" ab!

Ich fühlte in mich hinein und wusste, dass wenn ich etwas aus tiefster Leidenschaft heraus schaffe, ich immer mehr als 100% gebe! Warum bin ich dann so doof und sage Ja, obwohl ich eigentlich Nein meinte?

Ich spürte, dass dies mit dem ungesunden Muster zu tun hatte, zu glauben, es nicht verdient zu haben, wertgeschätzt zu werden. Somit zog ich immer Menschen in mein Leben, die meine Talente liebten, aber nicht bereit dafür waren, mir einen echten Gegenwert zu bieten! Am liebsten wollten sie alles kostenlos oder nur im Austausch für Leistungen, welche nie die Arbeit aufwogen, welche ich hineinsteckte!

Und da ich dachte, es nicht verdient zu haben, entsprechend gewürdigt zu werden, sagte ich also Ja! Dies war für beide Parteien nicht gut und ich wusste, ich musste lernen Nein zu sagen!

Ein klares Nein kann unendlich heilend sein!

Der erste Schritt war, dass ich anfing, Menschen zu beobachten, welche diese Fähigkeit besaßen, um von ihnen zu lernen. “Aha so geht das” dachte ich mir, sie sagen ganz schlicht und einfach Nein, ohne große Ausschweifungen und fühlen sich auch nicht mal schlecht dabei, dass sie nicht die Retter der Nation sind! Das war unendlich befreiend für mich!

Als ich anfing erstmal innerlich zu lernen, Nein zu sagen, merkte ich, dass es, als es um die Umsetzung im Außen ging, mein alter Glaubenssatz, ein schlechter Mensch zu sein, wieder massiven Druck auf mich ausübte!

Ich wollte doch so gerne ein spiritueller Mensch sein und hatte eine große Angst, dass Menschen mich verurteilen würden, wenn ich mich nicht immer selbstlos aufopfere und mich als unspirituell oder gar wertlos bezeichnen würden, ich die ich doch diese Welt so gerne mit meinem Zutun ein bisschen besser machen möchte!

Und es machte "Bäääng"!

Doch dann ratterte es in meinem Gehirn und machte auf einmal “Bäng”! Und ich merkte, dass ich ein ganz falsches Bild von einer spirituellen Person in mir trug! Ich dachte, dass ein spiritueller Mensch, immer nur Liebe und Licht ausstrahlen durfte! Dies triggerte eine Angst in mir, dass ich mich nie mehr verteidigen durfte, wenn mich mal ein übel gelaunter Mitbürger, wie aus dem Nichts angreifen würde? Ich darf nie wieder für mich aufstehen und mal vehement sagen “Hey mein Freund! So nicht!”, da ich ja ab sofort nur noch Liebe, Licht und Feenstaub versprühen darf! 

Ach du meine Güte, was für ein anstrengendes Bild! Ich fühlte dann in dieses Bild hinein und spürte, dass es viel mit dem zu tun hatte, was patriachale Religionen von Heiligen und “guten” Menschen in die Welt hinaus projizieren. Der Bettelmönch, der sich bis zur Selbstaufopferung, Tag und Nacht, in den Dienst der Menschheit stellt. Jegliche innere Bedürfnisse werden eisern unterdrückt, das ist wahre Erleuchtung!

Eine neue Zeitqualität bricht an

Ich erinnerte mich dann daran, dass ich vor einigen Jahren einmal die Botschaft bekam, dass es keine Schablone gibt, wie eine spirituelle Person zu sein hat. Ich habe damals die Botschaft nicht wirklich in seiner Tiefe verstanden, aber jetzt wusste ich, was sie mir sagen wollte.

Es ist immer gut die Denkmuster unserer Gesellschaft zu hinterfragen, vor allem, weil wir uns in eine neue Zeitqualität bewegen. Als ich dies realisierte, dass ein spiritueller Mensch, durchaus auch starke Grenzen haben darf, Nein sagen darf und auch mal eine “Kick-Ass” Attitude haben darf, gerade wenn es darum geht, sich und seine Liebsten zu schützen, war dies ein Balsam für meine Seele!

Wir müssen nicht jedem und allem immer sofort zur Hilfe eilen und dürfen auch mal ganz “egoistisch” nur auf die eigenen Bedürfnisse hören!

All diese Erkenntnisse waren sehr heilend für mich und für meinen Selbstwert! Denn es ist ein großer Teil meines Selbstwertes, mich als spirituelle Person zu bezeichnen und diesen Teil, habe ich durch dieses ungesunde Image, ständig sabotiert!

Auch habe ich gemerkt, wie ich anderen spirituellen Menschen gegenüber toleranter wurde. Ich habe mich vorher, immer mal wieder ertappt, wie ich innerlich über Verhaltensweisen urteilte. Gerade bei Menschen, die ich als Vorbilder ansah, kam oft die Wertung in mir hoch, dass ich dachte, sie müssten so oder so sein, ganz im Sinne meiner alten Vorstellungsweise. Ich hatte so gut wie keine Toleranzgrenze, für ihre Schatten und ihren eigenen Heilungsweg.

Das patriachale Bild von Spiritualität darf sich wandeln

Ich kann jetzt klar und deutlich sehen, wie tief diese Art zu denken, im patriachalen Wertesystem verankert ist und viele spirituelle Menschen, tragen genau noch dieses Bild in sich. Dies sieht man gerade in vielen spirituellen Gemeinschaften, wie das alttestamentarische Prinzip von der Trennung von Spreu und Weizen, noch in den Köpfen spukt. Die Guten kommen in den Himmel, die Bösen in die Hölle!

Es ist ein Prinzip der Trennung im wahrsten Sinne des Wortes, welches auf unserem Ego basiert und keinem göttlichen Gedanken entspricht. Das göttliche Prinzip, kennt nur Harmonie, denn es ist nicht-wertend. Jegliche Wertung basiert auf Polarität und dies bedeutet Trennung. Dies ist die Welt, in der unser Ego zu Hause ist. Nicht umsonst, praktizieren Buddhisten ihr Leben lang, um ihr Ego “auszumerzen”, damit sie wieder in die göttliche Einheit zurückkehren können.

Betrachte dich mit wertfreien Augen

Ich bin dankbar, dass ich all dies erkennen durfte, denn es befreit mich ein Stückchen weiter, von dem Korsett patriachaler Denkstrukturen! Und es öffnet die Tür für eine ganz neue Liebe! Eine Liebe, die wert-frei ist und welche man sich nicht erst “verdienen” oder “erarbeiten” muss, indem man ein besonders guter Mensch ist!  Du bist es wert, weil du es wert bist. Mit all deinen Ecken und Kanten. Polarität war gestern!

Wir bewegen uns immer weiter in eine neue Zeit und Selbstliebe, sowie Wertschätzung sind ein ganz selbstverständlicher Teil dieser neuen Qualität, die Zeit der Bettelmönche ist vorbei!

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