Dein Ritual gestalten

Dein Ritual gestalten

Wenn du deine eigenen Rituale gestalten möchtest, dir aber unsicher bist, was die jeweilige Symbolik eines Jahreskreisfestes ist, dann sieh dir die Natur an. In ihrem Spiegelbild kannst du sehr genau sehen, was jetzt thematisch ansteht. Genauso haben es die Naturvölker seit jeher getan, sie haben beobachtet und waren präsent im jetzigen Moment.

Daraus ergeben sich folgende Schritte, wenn du dein eigenes Ritual planen möchtest:

  1. Beobachtung der Natur (Was steht thematisch gerade an?)
  2. Umwandlung der Thematik in symbolische Repräsentationen
    (im Herbst ist eines der Themen Transformation => Symbolik: z.B. Ritualfeuer)
  3. Erstellung einer kurzen Dramaturgie (Einleitung / Hauptteil / Ende)

Dramaturgie des Rituals

Ein gutes Ritual sollte wie ein Theaterstück aufgebaut sein, mit einer Einleitung, einem Hauptteil und einem Abschluss.

I.) Einleitung / Prolog

Wenn es sich um ein öffentliches Ritual handelt, dann ist es wichtig nun die klare Intention zu verkünden. Denn es gibt nichts Verwirrenderes für die Zuschauer, wenn sie nicht genau wissen worum es denn eigentlich in dem Ritual oder der Zeremonie geht?

Eine Zeremonie ist eine Feierlichkeit „wir haben uns heute hier versammelt, um das Jahreskreisfest Beltane zu feiern… oder um gemeinsam die Hochzeit von Julia und Andre zu feiern“.

Ein Ritual hingegen ist ein Stück magische Arbeit, hier geht es darum konkret etwas zu bewirken, z.B. Heilung und Transformation. Dies kann natürlich auch immer im Kontext mit einem Jahreskreisfest stehen (Samhain Ritual für Transformation und Wiedergeburt etc.)

Wenn du alleine ein Ritual abhältst, dann kannst du die Intention für dich innerlich formulieren oder sie laut aussprechen, wenn du die Göttin oder die Spirits anrufst.

Nachdem die Intention klar formuliert wurde, wird nun ein heiliger Raum eröffnet. Wir bedienen uns hier der symbolischen Repräsentation des Kreises. Dadurch erschaffen wir einen Container für unsere rituelle Arbeit, welcher uns von der Außenwelt abkapselt und worin unsere Arbeit ihre Wirkung entfalten kann.

Jede Tradition eröffnet diesen Raum unterschiedlich, doch eine neutrale Art ist immer die Anrufung der Elemente. Wobei sich hier die Richtung der Elemente unterscheiden kann.

Ich persönlich arbeite mit den klassischen Richtungen des Druidentums (Osten: Luft / Süden: Feuer / Westen: Wasser / Norden: Erde) und nicht wie es in der Glastonbury Göttinnen Tradition gelehrt wird (Osten: Feuer / Süden: Wasser / Westen: Erde / Norden: Luft). Wenn ich mich persönlich in den Jahreskreis hineinfühle, dann fühlt sich Wasser im Süden und Luft im Norden einfach nicht stimmig an. Doch dies bleibt jedem selbst überlassen, an welche Tradition er sich anschließen möchte. 

Wenn du mit Tiergeistern arbeiten möchtest, dann sind die klassischen Tiere des Druidentums:

Falke (Osten / Luft), Hirsch (Süden / Feuer), Lachs (Westen / Wasser) und Bär (Norden / Erde).

II.) Hauptteil

Im Hauptteil findet nun die eigentliche Arbeit statt. Hier arbeiten wir nun mit den symbolischen Repräsentationen, welche wir für uns gefunden haben und die das Thema optimal ausdrücken.

Die alten Naturvölker haben ihr Wissen bezüglich Religion und Philosophie nur mündlich weitergegeben. Doch auch heute finden wir viele Anhaltspunkte wie die rituellen und religiösen Feierlichkeiten ausgesehen haben können. Hierzu müssen wir uns verstärkt mit Volksbräuchen befassen, denn diese sind nichts anderes als eine kulturelle Vermischung des alten Naturglaubens mit neueren Glaubensrichtungen wie dem Christentum. 

Ich persönlich merke, dass je mehr ich mich wieder mit den Naturrhythmen verbinde, desto leichter fällt es mir wieder einen Blick für die alten Symboliken hinter der kulturellen Überlagerung zu bekommen. Deshalb möchte ich euch einladen es mir gleichzutun.

Doch immer mit einer kritischen Haltung, denn oftmals wurden die ursprünglichen Bedeutungen von der Kirche in sein Gegenteil verdreht. Durch diese Art der Verteufelung sollte der alte Glaube ausgerottet werden. Deshalb sollte man immer aufhorchen, wenn der „Teufel“ ins Spiel kommt, bzw. wir auf eine alte böse und hässliche Hexe treffen, denn sie war oftmals nichts anderes als die große Urgöttin. Dadurch wurde der Naturglaube stigmatisiert und das Volk sollte sich automatisch von dem als „böse“, “teuflisch” und „hässlich“ gekennzeichnetem abwenden.

Hier sind einige der alten Symboliken die ich herausgearbeitet habe, welche du in deine Rituale einbauen kannst. 

  • Das Segnen durch Zweige: Die frischen Triebe der Natur galten als segensreiches Zeichen. In vielen Volksbräuchen stoßen wir auf die Verwendung von Zweigen mit denen junge Frauen mit Fruchtbarkeit gesegnet wurden oder das Haus und seine Bewohner durch Anbringung an der Eingangstüre. Wir sehen die Überreste dieses Brauches auch heute noch in den dekorativen Türkränzen. Auch die Kirche hat die magischen Ruten in ihren Glauben integriert, doch nicht um zu segnen, sondern um zu strafen (Gutes wird in Böses gewandelt) so wie wir es in Form von Knecht Ruprecht sehen. 
  • Puppen: In Großbritannien werden zu Imbolc kleine Brigid Puppen angefertigt. Auch im Herbst werden gerne Kornpuppen aus dem reifen Korn gestaltet. Diese Puppen sind symbolische Repräsentation der jeweiligen Göttin. Die Puppe wird dadurch zum magischen Werkzeug, zum Platzhalter für eine bestimmte Qualität. Gerade in Ritualen und Zeremonie ist dies eine wunderbare Art um eine spezielle Essenz zu integrieren. Man kann die Puppe natürlich auch dazu verwenden, wenn man etwas abgeben möchte, so wie ich es in meiner Ostara Meditation getan habe, wo diese den Winter und das Verbrauchte repräsentiert, was im Osterfeuer transformiert wird.
  • Bei den Nachbarn spionieren: In unseren Breitengraden ist das Christentum sozusagen der unmittelbare Nachbar. Ich selbst bin immer wieder erstaunt, wie sehr die christliche Symbolik denen der alten Naturreligion gleicht. Einige Druiden behaupten sogar, dass das Christentum zu 90% auf dem alten (umgedeuteten) Naturglauben basiert und nur die Gestalt von Jesus Christus authentisch christlich ist. Und wenn wir uns mit den Thematiken der alten Jahreskreisfeste beschäftigen, finden wir erstaunliche Parallelen und Ähnlichkeiten! Wir müssen also nur unseren Blick schulen um die alten Symboliken durch die kulturelle Überlagerung zu erkennen.
  • Elemente spielen in jedem Ritual eine große Rolle. Jedes kann zur Reinigung und anderen Zwecken eingesetzt werden, doch ihre Qualitäten sind unterschiedlich. Feuer hat eine sehr harsche Energie und eignet sich hervorragend, um starke negative Energien zu transformieren. Wasser ist viel sanfter und eignet sich zur rituellen Reinigung von Körper und Geist, vor allem vor dem Ritual. Auch Erde reinigt, indem es zersetzt. Im Vergleich zu Feuer und Wasser ist dies ein langsamer und stetiger Prozess. Luft belebt und kann unterdrückte Gefühle “hervor wirbeln”. Auch reinigt es, indem es wegbläst, was sich an der Oberfläche befindet. Es eignet sich meiner Meinung aber nicht, um tiefe transformatorische Prozesse einzuleiten, hierfür ist Feuer viel besser geeignet. Du siehst also, die Elemente bieten einen großen Spielraum, dem wir uns geschickt bedienen können. Siehe hierzu auch den Beitrag: Die Elemente und ihre Verwendung im Ritual.

III.) Ende

Zum Abschluss des Rituals oder der Zeremonie zählen die Danksagung und natürlich das Auflösen des heiligen Raumes, indem man den gezogenen Kreis, welcher im Uhrzeigersinn geschlossen wurde nun gegen den Uhrzeigersinn wieder öffnet.