Wie uns die EINE Wahrheit auf unserem Heilweg blockiert…

Wie uns die EINE Wahrheit auf unserem Heilweg blockiert…

Vor einigen Jahren kam es einmal zwischen mir und einer Freundin zum Bruch. Was darauf folge war eine regelrechte Hexenjagd. Denn diese Freundin, so jung und emotional sie war, klagte jedem ihr Leid, wer bereit war dies anzuhören. Dies führte zu extemen Reaktionen von einigen Mitmenschen, welche nur die eine Perspektive kannten und diese als objektive Wahrheit anerkannten. 

Wenn wir das oben gezeigte Bild betrachten, dann erkennen wir allerdings, dass Perspektive niemals “objektiv” sein kann, sondern immer nur subjektiv, je nachdem von welchem Standort man auf das Ganze blickt.

Somit können wir sagen, dass alle Perspektiven richtig sind, aber durch ihre subjektive Natur unvollständig. Doch um eine objektive Wahrheit zu finden, müsste man anerkennen, dass es nur die Gesamtheit ist, welche dem ganzen Objektivität verleiht. 

Dies vergessen wir häufig wenn wir den Blick auf ein Geschehen richten. Wenn wir selbst involviert sind können wir oftmals nur “unsere” Perspektive wahrnehmen. Wenn “eine” Perspektive an uns herangetragen wird, akzeptieren wir diese oft als einzig wahre.

Somit kann uns das “erkennen” der Subjektivität helfen, Heilung in ein Thema oder eine Situation zu bringen, indem wir versuchen diese aus einer multidimensionalen Sichtweise zu betrachten.

Denn verhärtete Fronten können sich nur so lange halten wie der Anspruch auf absolute Wahrheit aufrecht erhalten wird. Dadurch schaffen wir uns selbst ein Gefängnis. Denn wenn wir in der “Einseitigkeit” unserer Perspektive gefangen sind, ist es schwierig zu dem Punkt zu gelangen wo Vergebung möglich ist, welche der Schlüsselmoment für Heilung ist.

Mein Vater welcher Rechtsanwalt ist sagte oft, “Die Wahrheit liegt meistens in der Mitte”. Dies war die Erkenntnis aus seiner jahrelangen juristischen Tätigkeit. Und wenn wir uns nochmal das Bild ansehen, dann erkennen wir, dass die Mitte der Punkt ist, wo alle Perspektiven aufeinandertreffen!

Extreme Grenzfälle...

Nun mag sich der eine oder andere fragen, wie es sich in Situationen verhält, wo die Wahrheit wirklich nur auf “einer Seite” zu liegen scheint, wie z.B. in Mißbrauchsfällen? Der Mißbrauch gehört zur Faktenlage. Fakten gehören zur Objektivität. Das Konzept des multidimensionalen Blickwinkels bezieht sich aber nicht auf die Faktenlage, sondern auf das subjektive Empfinden von Wahrheit. Wer Fakten “leugnet” hat das Konzept der subjektiven Betrachtung nicht verstanden.

Doch auch bei unserem Mißbrauchs-Beispiel können wir das Konzept der multidimensionalen Betrachtungsweise anwenden. Konkret könnte dies so aussehen, dass der Geschädigte seinen Blickwinkel dahin gehend ändert, indem er in dem Täter anstelle eines “Monsters”, einen “zutiefst gebrochenen” Menschen sieht. Dies würde seine subjektive Wahrnehmung so verändern, dass er vielleicht Mitgefühl empfinden kann, um irgendwann in der Lage zu sein loszulassen und zu vergeben. 

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